Wie behindertengerecht ist London?

Wie behindertengerecht ist London? Diese Frage habe ich mir bis zum letzte Jahr gestellt. Ich habe eine Antwort auf die Frage gefunden. Ich bin im Sommer letzten Jahres mit meiner Mutter nach London gereist. Sie ist zu 98% blind. Daher dachten wir uns, dass wir die Stadt mal darauf testen, ob sie behindertengerecht ist oder nicht.

Der Flughafen Gatwick

Der Flughafen Gatwick ist ja bekanntermaßen ziemlich groß. Der Weg vom Gate bis zum Ausgang ist extrem lang. Das Gute ist, dass nicht so viele Treppen auf dem Weg sind. Wenn, dann sind es Rolltreppen, und meistens steht auch ein Fahrstuhl an jeder Treppe. Für eine blinde Person ist der Weg gut zu schaffen. Für Gehbehinderte stehen auch oft Rollstühle bereit. Zudem gibt es einen speziellen Dienst für Behinderte – man wird dann mit einem kleinen Golfcar durch die Gegend gefahren. Wir selbst haben von diesem kein Gebrauch gemacht. Ich würde mich hiefür bei der Fluggesellschaft oder am Heimatflughafen genauer informieren.

Der öffentliche Verkehr

London ist ja zum Glück eine tolerante Stadt. Behinderte, besonders bline Menschen, kennt man hier und deswegen kennt man auch den richten Umgang mit Ihnen. Ich hatte anfangs die Befürchtung, dass das Ubahn-Fahren bzw. das Fahren mit em Bus kompliziert werden könnte, weil ja einige Stationen schon viele Treppen haben. Das ist ist zwar bei vielen Stationen auch der Fall, dafür gibt es aber auch mindestens genauso viele Stationen (im Zentrum zumindest), die sehr behindertengerecht sind. Gerade neuere Stationen wie z.B. Westminster sind extrem gut durchdacht – kurze Wege, viele Fahrstühle, breit angelegt. Jede Station im Netzwerk der Underground, die besonders behindertengerecht ist bzw. für Fahrstuhlfahrer geeignet ist, ist entsprechend gekennzeichnet. Es gibt den “step-free acces from street to train” und den “step-free access from street to platform”, also einmal Barriere-frei bis zum Zug und einmal bis zum Gleis. Übrigens: Rollstuhlfahrer zahlen für Bus und Bahn nichts in London, nur die Begleitperson zahlt, siehe hierzu auch folgenden Link.

Der Blick auf das Underground verrät, wo sich barrierefreie Stationen befinden.

Der Blick auf das Underground-Netzwerk verrät, wo sich barrierefreie Stationen befinden.

Die Züge der National Rail sind meiner Meinung nach ebenfalls behindertengerecht. Für Rollstuhlfahrer gibt es hier an vielen Bahnhöfen spezielle Rampen, die jeder nehmen kann, wenn er sie braucht. Bei den Bussen sieht das ähnlich aus. Ich habe es schon häufiger mitbekommen, dass für Rollstuhlfahrer eine Rampe aus dem Bus gefahren kam. Ich kann nicht garantieren, dass alle Busse damit ausgestattet sind, aber ich gehe mal davon aus, zumindest jeder etwas neuere. Normalerweise können Rollstuhlfahrer auch kostenlos mit den Bussen fahren.

Wie gehen die Menschen mit Behinderten um?

Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich die Briten/Londoner sehr hilfsbereit erwiesen. Nicht selten hat jemand gesehen, dass meine Mutter blind ist und hat sie an einer Treppe unaufgefordert eingehakt und begleitet, obwohl meine Mutter das gar nicht für notwendig hielt. Ich finde sowas sehr gut und meine Mutter hat das in den letzen 30 Jahren, seitdem sie blind ist, so noch nicht erlebt. In den Zügen (Underground, Rail) und Bussen gibt es ja spezielle “priority seats”, also Sitze extra für Behinderte, Schwangere oder Senioren. In den meisten Fällen wurde dieser sofort geräumt, wenn wir diesen ansteuerten. In den wenigsten Fällen mussten wir extra nachfragen, meistens bei anderen Touristen, die es einfach nicht besser wussten oder noch nie einen blinden Menschen gesehen haben (ja, das gibt es wirklich…). Auch in Restaurants, Einkaufsläden oder anderen Orten wurde uns immer sehr geholfen und meine Mutter fühlte sich sehr wohl dabei.

Blinde in London

Was man noch wissen sollte

    • Behindertengerechte WCs gibt es in der Stadt sehr viele. Meisten sind diese nicht als Behinderten WCs gekennzeichnet, deswegen lohnt es sich zu fragen, wenn es dort jemanden gibt. Der Euroschlüssel passt übrigens nicht auf die ausgewiesenen Behinderten WCs (haben wir im Nachhinein auch gemerkt). Der spezielle Schlüssel hierfür gibt es in diesem Shop.
    • Dass eine Begleitperson frei ist, wie man es aus Deutschland kennt, ist in GB nicht der Fall. Hier darf man zahlen…
    • Wer genau wissen möchte, wie er barrierefrei von A nach B kommt, der kann bei “Plan a journey” auf der offiziellen Website von Transport for London sich eine Verbindung raussuchen. Echt super!
    • Servicehunde wie Blindenhunde dürfen gesetzlich wie in Deutschland in alle möglichen Einrichtungen. Wir hatten unseren Blindenhund nicht mit, aber ich hatte mich vorsichtshalber trotzdem informiert.
    • Wer gerne in den Park geht, wird sich freuen können: Die meisten Parks sind sehr zugänglich und barrierefrei gestaltet. Es stehen sehr viele Bänke, um auch mal eine spontane Pause einlegen zu können.
    • Wer plant, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, sollte sich vorher erkundigen, ob man spezielle Hilfe bekommen kann, wenn man vor Ort ist. Meistens stellt das kein Problem dar.

Fazit

Meine anfänglichen Bedenken waren nicht berechtigt. London ist behindertengerechter als so manche andere Stadt in Deutschland. Die Menschen sind hier wie ich finde sehr umsichtigt und hilfsbereit. Es gibt zahlreiche Stationen der Underground, die barrierefrei sind. Trotzdem sollte man im Vorhinein ein wenig planen, z.B. welches Hotel man wählt, wie weit die nächste öffentliche Verkehrsanbindung entfernt ist und wie man von dort aus zu seinen Ausflugszielen gelangt. Mit behinderten Menschen in London etwas unternehmen geht, wie ich finde, sehr gut!

Markierungen an der Ubahn helfen sich zu orientieren

Markierungen an den Ubahn-Gleisen helfen, sich besser zu orientieren

Markierungen an der Straße zeigen, wo man zuerst hingucken sollte

Markierungen an der Straße zeigen, wo man zuerst hingucken sollte